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info-workcare.ch – eine Antwort auf zahlreiche Erwartungen

Das von Travail.Suisse vor anderthalb Jahren lancierte Projekt weckt grosse Erwartungen in verschiedenen Kreisen. Ab Herbst 2016 soll diese erste nationale Plattform für berufstätige Personen, die Angehörige betreuen, unterstützen und pflegen, kostenlos allgemeine Informationen, nützliche Tipps und Adressen bereitstellen. Denn die Betroffenen brauchen sehr viel Zeit, um alle nützlichen Informationen und Adressen zusammenzusuchen. Die Internetseite info-workcare.ch bietet den betreuenden Angehörigen einen nützlichen Überblick und insbesondere mehr als tausend Adressen. mehr

In der letzten Ausgabe des Medienservice 1 wurden bereits die groben Züge des künftigen kostenlosen Angebots von Travail.Suisse umrissen, das sich an Berufstätige richtet, die ab einem Alter von rund 50 Jahren (manchmal aber auch schon früher) neue Aufgaben in ihrer Familie übernehmen müssen, da ihre älteren Angehörigen hilfsbedürftig werden.

Momentan befassen sich in der Bundesverwaltung mehrere Departemente und Bundesämter mit diesem Thema, denn es betrifft sowohl die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt, aber gleichzeitig auch die Sozialversicherungen und die Gleichstellung von Frau und Mann. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann hat eine Analyse und wichtige Empfehlungen zum Thema veröffentlicht 2 . Im Bundeshaus sind einige Parlamentarier schon aktiv geworden. Auch auf kantonaler Ebene ist bereits einiges geschehen; so hat am 30. Oktober erstmals der Westschweizer Tag 3 der betreuenden Angehörigen stattgefunden, der alle entsprechenden Aktivitäten der Westschweizer Kantone unter einem Dach zusammenfasste.

Travail.Suisse stellt nach zahlreichen Kontaktaufnahmen bei den Vorbereitungsarbeiten des Projekts info-workcare.ch fest, dass dieses viele Erwartungen weckt. Tatsache ist, dass infolge unserer demografischen Situation die Anzahl älterer Menschen weiter steigen wird, und die Lebenserwartung geht ebenfalls nicht zurück. Ausserdem sind Frauen immer häufiger berufstätig, was dazu führt, dass die Gesellschaft für die Betreuung älterer Personen nicht mehr – wie bis anhin – ohne Weiteres auf diese Reserve an Gratisarbeitskräften zurückgreifen kann. Die Knacknuss der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit wird jede Familie, jeden Mann und jede Frau in unserem Land irgendwann treffen.

Was ist überhaupt «Care-Arbeit»?

Was beinhaltet der Begriff «Care-Arbeit» denn eigentlich? «Care» umfasst Dimensionen wie Achtsamkeit, Pflege, Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe – kurz die «Sorge für den anderen». In der Schweiz definiert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann Care-Arbeit als «Betreuungs-, Sorge- und Pflegeaufgaben für Kinder sowie für pflege- und betreuungsbedürftige Erwachsene» 4 . Das Büro betont, dass diese Arbeit eine gesellschaftliche Notwendigkeit sei und auf möglichst viele Personen – Männer und Frauen – verteilt werden müsse, damit sie auch in Zukunft erbracht werden kann, was sich sowohl die Gepflegten als auch die Pflegenden wünschen. Doch momentan tragen die Frauen die Belastung meist alleine und folglich auch die negativen Auswirkungen.

Projektziele

Ein wesentlicher Teil der künftigen Website dient auch der Sensibilisierung. Leisten Personen Care-Arbeit, wenn sie kleinere Besorgungen erledigen? Wenn sie also beispielsweise der Mutter beim Ausfüllen der Steuererklärung helfen, sie regelmässig für den Vater einkaufen (und gleichzeitig auch noch den Zustand der Lebensmittel im Kühlschrank kontrollieren) oder die Schwiegermutter zum Coiffeur oder zum Arzt begleiten? Die Antwort lautet: Ja. Soll man sich Gedanken über die Care-Arbeit machen, die der Vater für die Mutter leistet oder umgekehrt? Auch diese Frage ist mit Ja zu beantworten.

Und wann sollen Betroffene das Thema an ihrem Arbeitsplatz zur Sprache bringen? Heute ist bekannt, dass Erwerbstätige kaum über ihre diesbezüglichen Verpflichtungen im Privatleben sprechen. Meistens bringen sie das Thema viel zu spät zur Sprache, nämlich wenn sie nicht mehr in der Lage sind, die Situation allein zu bewältigen. Häufig unterstützen pflegende Angehörige ihre Eltern in einem Mass, dass sie die körperlichen, aber auch die psychischen Grenzen ihrer Belastbarkeit überschreiten und selber krank werden. Die neue Website wird ein Bewusstsein für die Probleme schaffen, die in Zukunft unweigerlich auftauchen werden, wenn Betroffene einfach alles für sich behalten. Sie möchte auch die Männer ermuntern, ihren Anteil an der Care-Arbeit zu erhöhen.

Das von Travail.Suisse lancierte Projekt bezweckt eine bessere Vereinbarkeit regelmässiger Erwerbsarbeit ausserhalb des eigenen Haushalts mit Care-Arbeit für betagte Angehörige. Es soll insbesondere Fragen von Arbeitnehmenden beantworten, sobald sie auftauchen. Die Thematik ist bewusst auf dieses Gebiet begrenzt. Spezifische Aspekte im Zusammenhang mit Behinderungen oder medizinischen Diagnosen bei Kindern und Erwachsenen, die besondere Betreuung und Pflege benötigen, wurden nicht berücksichtigt. Das Projekt von Travail.Suisse setzt somit ganz am Anfang der Problematik an, um die Vereinbarkeit zu fördern.

Schon über 1000 Adressen zusammengetragen

Einen erheblichen Teil der Website info-workcare.ch macht ein Angebot an Kontaktadressen aus, die nach den Bedürfnissen der berufstätigen betreuenden Angehörigen sortiert sind. Alle veröffentlichten Angaben sind von allgemeinem Interesse, neutral und für das breite Publikum gedacht. Bis heute hat Travail.Suisse mehr als tausend Adressen zusammengetragen.

Es wurde eine Strategie definiert, welche Angebote und Adressen aufgenommen werden. Da die Website unter anderem mit öffentlichen Mitteln finanziert wird und sie keinen Ertrag abwirft, musste die Wahl der Adressen unter einem anderen Blickwinkel als beim üblichen Wirtschaftsmodell der «Gewinnmaximierung» und des «Return on Investment» erfolgen.

Die aufgeführten Adressen gehören hauptsächlich Verbänden und Organisationen ohne Gewinn-orientierung, die – nach Möglichkeit – gesamtschweizerisch tätig sind. Ebenfalls im Verzeichnis enthalten sind Angebote von anerkannten und/oder öffentlich finanzierten Organisationen und Einrichtungen. Rein kommerzielle Adressen werden folglich nicht aufgeführt. Es werden kostenlose und kostenpflichtige Dienstleistungen von gemeinnützigen Organisationen aufgenommen, die anerkannt sind und/oder mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Dienstleistungen hingegen, die bei rein privaten Unternehmen «erworben» werden können (für Personen, für den Haushalt usw.), werden nicht in der Liste aufgeführt.

Die Benutzerinnen und Benutzer haben die Möglichkeit, Adressen zu melden. Diese werden überprüft und, falls sie der Philosophie von www.info-workcare.ch entsprechen, veröffentlicht.

Die Ausbeutung von mittellosen ausländischen Arbeitskräften bekämpfen

Travail.Suisse kann weder die Qualität der angebotenen Dienstleistungen noch die Ausbildung der Personen, die sie anbieten, und noch weniger ihre Arbeitsbedingungen überprüfen. Das ist der Grund dafür, dass Arbeitsvermittlungen aus dem In- und Ausland hier bewusst keine Plattform erhalten. Ausserdem wird daher ein grosser Teil der künftigen Website www.info-workcare.ch der Sensibilisierung und der Information von Angehörigen gewidmet, die de facto in die Arbeitgeberrolle schlüpfen müssen, indem sie Personen für die Betreuung ihrer Angehörigen zu Hause anstellen.

Denn die Umfragen zeigen 5 : Eine der Lösungen, die relativ begüterte Familien manchmal wählen, ist die Anstellung von Personen aus dem Ausland, welche die Care-Arbeit bei Pflegebedürftigen zu Hause übernehmen. Eine klare Aufklärung über die rechtliche Lage und die guten Praktiken in diesem Bereich ist unerlässlich, um zu verhindern, dass die ausländischen Arbeitskräfte ausgebeutet werden.

Das ehrgeizige Projekt info-workcare.ch will vielen Erwartungen gerecht werden. Um die Website im Herbst 2016 offiziell zu lancieren, wird momentan eine Tagung zum Thema Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Care-Arbeit vorbereitet.

1 ««info-workcare.ch für berufstätige betreuende Angehörige», Valérie Borioli Sandoz, Medienservice vom 15. November 2015.
2 Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann. «Absicherung unbezahlter Care-Arbeit von Frauen und Männern», Bern, April 2012. «Anerkennung und Aufwertung der Care-Arbeit», Bern, Mai 2010.
3 http://www.betreuende-angehoerige-tag.ch

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15 12 14 info-workcare ch DE.docx 24 KB

14. Dezember 2015, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Schweizer Stimmbevölkerung ist klar für einen Vaterschaftsurlaub

Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, hat heute die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Vaterschaftsurlaub veröffentlicht. Die Resultate könnten eindeutiger nicht sein: Über 80 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten wollen einen gesetzlich festgelegten und bezahlten Vaterschaftsurlaub. Die Zustimmung ist über alle Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und über beide Geschlechter stabil hoch. Das zeigt: Die Zeit ist überreif für den Vaterschaftsurlaub. Es ist nun an der Sozialkommission des Ständerates, die Zeichen der Zeit am 1. September zu erkennen und den konkreten Auftrag für ein entsprechendes Gesetz zu erteilen. mehr

Mit der repräsentativen Umfrage des Link-Instituts hat Travail.Suisse zum ersten Mal verlässliche Aussagen über die Ansichten der Schweizer Stimmbevölkerung hinsichtlich des Vaterschaftsurlaubs gewonnen. Dabei bestätigt sich die schon früher festgestellte Tendenz, dass der Vaterschaftsurlaub einem starken Bedürfnis entspricht: Über 80 Prozent der Stimmberechtigten sind dafür, dass Väter nach der Geburt eines eigenen Kindes einen gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub haben. Überaus stark wird das Anliegen von den 30-44-jährigen Müttern und Vätern unterstützt (fast 90 Prozent Zustimmung). Das Anliegen ist in der Stimmbevölkerung breit abgestützt. Keine Bevölkerungsgruppe weist eine Zustimmung von unter 70 Prozent aus. Obwohl in der Tendenz die jüngeren Stimmberechtigten dem Anliegen etwas stärker zustimmen, ist die Zustimmung z.B. auch in der Altersgruppe der 60-74-Jährigen überaus deutlich. So befürworten auch die Väter, die selber noch keinen Vaterschaftsurlaub hatten, einen solchen deutlich.

Das Gros der Bevölkerung will zwei bis vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Die Umfrageteilnehmenden wurden auch zur idealen Dauer des Vaterschaftsurlaubs befragt. Etwas über 40 Prozent derjenigen, welche sich grundsätzlich für einen Vaterschaftsurlaub aussprechen, tendieren zu einer Auszeit von 4 Wochen oder mehr. Weitere gute 40 Prozent sprechen sich für zwei Wochen aus. Der Rest erachtet eine kürzere Dauer als genügend. Die Väter selber möchten tendenziell einen etwas längeren Urlaub als die Gesamtbevölkerung. Die Resultate der Studie mit Grafiken können im Anhang eingesehen werden.

Papizeit-Aktion am nächsten Sonntag (30. August 2015) in Bern

Die heutige Generation der Väter verlangt nun einen ersten konkreten Schritt der Politik. Auf www.papizeit.ch haben schon fast 200 Väter ihr Statement in Wort und Bild abgegeben, warum es einen Vaterschaftsurlaub braucht. Am 1. September kann die Sozialkommission des Ständerats dem geäusserten Bedürfnis Nachachtung verschaffen und einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub gutheissen. Damit würde erstmals der Auftrag verankert, ein entsprechendes Gesetz zu schaffen. Travail.Suisse und weitere Organisationen machen mit einer Papizeit-Aktion am 30. August auf dem Berner Waisenhausplatz nochmals auf das wichtige Anliegen aufmerksam. Weitere Infos gibt es unter www.kinderwagen-rallye.ch. Für Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse, ist klar: „Es braucht den Vaterschaftsurlaub jetzt!“.

Für mehr Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel. 079/743‘90‘05
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Tel. 079/777‘24‘69

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LINK Institut Report Travail Suisse Vaterschaftsurlaub 2015.pdf 1291 KB

23. August 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Vaterschaftsurlaub jetzt!

Am 1. September diskutiert die Sozialkommission des Ständerats über einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Auch wenn zehn arbeitsfreie Tage bescheiden sind: Sie wären ein wichtiger und konkreter Beitrag zu einem gelungenen Start ins Familienleben. Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation der Arbeitnehmenden, organisiert zusammen mit unterstützenden Organisationen deshalb am 30. August in Bern eine Papizeit-Aktion, um dem Anliegen Nachdruck zu verschaffen. mehr

Heute erhalten Väter bei der Geburt ihrer Kinder gemäss Obligationenrecht von ihrem Arbeitgeber einen arbeitsfreien Tag zugesprochen. Travail.Suisse hat kürzlich in einer Analyse der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge gezeigt, dass dieser mickrige freie Tag auch in der Realität den Normalfall bedeutet. 1 Meistens sind es grössere Unternehmen, die etwas grosszügiger sind und einen nennenswerten Vaterschaftsurlaub anbieten. Das ist kein Zufall: Grössere Betriebe haben mehr finanzielle Möglichkeiten als Kleinbetriebe. Doch ein bezahlter Vaterschaftsurlaub darf nicht davon abhängen, wo ein Vater arbeitet. Heutige Väter wollen vom ersten Tag an Verantwortung übernehmen. Das ist auch richtig so: Es gilt die Mutter zu entlasten und allfällige Geschwister zu betreuen, eine Beziehung zum Neugeborenen aufzubauen, den Haushalt zu schmeissen, etc. Die Zeiten, als dies die Grossmütter getan haben, sind vorbei. Diese sind heute selber erwerbstätig.

Damit sich die Väter engagieren können, müssen sie aber genügend zeitliche Freiräume verfügen. Heute müssen sie ihr Ferienkontingent aufbrauchen und dann eine Zeit lang – oft übermüdet – ohne Ferien über die Runden kommen oder unbezahlten Urlaub nehmen. Das ist keine zeitgemässe Familienpolitik!

Parlament kann erstmals einen konkreten Gesetzesauftrag erteilen

Travail.Suisse macht sich seit längerem für einen über die Erwerbsersatzordnung (EO) finanzierten 20-tägigen Vaterschaftsurlaub stark. Nun liegt im Parlament eine bescheidene, aber konkrete Lösung vor: Die parlamentarische Initiative von Martin Candinas propagiert das gleiche Modell wie Travail.Suisse, beschränkt den Urlaub aber auf zehn Arbeitstage. Auch wenn sich damit nicht alle heutigen Unzulänglichkeiten beseitigen lassen, wäre dies ein wichtiger erster Schritt für einen gelungenen Familienstart. Travail.Suisse unterstützt deshalb die parlamentarische Initiative Candinas. Dies mit Erfolg: Im April dieses Jahres hat sich die Sozialkommission des Nationalrats erstmals für zwei Wochen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen. Nun muss am 1. September die Schwesterkommission des Ständerats darüber befinden. Wenn sich mit der CVP die eigene Partei des Initianten konsequent für das Anliegen einsetzt, wird auch diese Hürde zu nehmen sein. Das Parlament hätte danach den Auftrag, einen konkreten Gesetzestext auszuarbeiten.

Papizeit-Aktion am 30. August

Um dem Anliegen Nachdruck zu verschaffen, hat Travail.Suisse mit Erfolg die Online-Plattform www.papizeit.ch eingerichtet. Als nächste Aktion laden Travail.Suisse und weitere unterstützende Organisationen am 30. August zu einer Kinderwagen-Rallye auf den Berner Waisenhausplatz ein. Väter und Kinder, aber auch Mütter, Verwandte und Bekannte treffen sich um 14.15 Uhr zum Fototermin und geben mit einer bunten Aktion dem Anliegen Vaterschaftsurlaub ein Gesicht. Weitere Informationen finden sich unter www.kinderwagen-rallye.ch.

Das Interesse an diesen Aktionen macht deutlich: Auch die etwas bejahrtere Ständeratskommission wird nicht weiter ignorieren können, dass die Zeit für einen Vaterschaftsurlaub auch in der Schweiz reif ist.

1 http://www.travailsuisse.ch/themen/gleichstellung/mutterschaft_und_vaterschaft

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17. August 2015, Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik Drucker-icon

Seit gestern wird die Stillzeit am Arbeitsplatz bezahlt

Seit gestern, 1. Juni, werden Frauen, die ihre Kinder während ihrer Arbeitszeit stillen, für diese „Stillpausen“ bezahlt. Eine Anpassung der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) ist seit gestern in Kraft. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, ist klar, dass diese Schliessung einer Gesetzeslücke Arbeitnehmerinnen dazu ermutigen wird, ihre Babies auch nach dem Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen weiter zu stillen. mehr

Die Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrechts hat nichts grundlegendes verändert, sondern eine Lücke geschossen: Bis anhin war der Arbeitgeber zwar verpflichtet, Stillpausen zu gewährleisten, musst sie aber nicht als Arbeitszeit bezahlen. Dank der Revision ist seit gestern auch klar, wie viel von diesen Stillpausen minimal bezahlt werden muss.

Endlich klare Regelung

Neu müssen bei einer täglichen Arbeitszeit von weniger als vier Stunden mindestens 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von bis zu 7 Stunden pro Tag 60 Minuten und bei mehr als 7 Stunden täglicher Arbeitszeit mindestens 90 Minuten Stillzeit vom Arbeitgeber bezahlt werden. Als Stillzeit ist auch die Zeit definiert, die eine Frau zum Abpumpen der Muttermilch benötigt. Vor der Revision der Verordnung 1 zum Arbeitsrecht (ArGV1) galt die Stillzeit zwar als Arbeitszeit, wenn im Büro gestillt oder abgepumpt wurde, wenn die Frau dies aber auswärts – zum Beispiel in einer Kindertagesstätte – tun wollte, dann galt eine andere Regelung. Glücklicherweise besteht diese Unterscheidung heute nicht mehr. Grundsätzlich kann also eine Frau ihren Arbeitstag früher beenden und zu Hause oder in der Kindertagesstätte stillen oder sie kann sich so organisieren, dass sie ihr Baby am Arbeitsplatz stillen kann. Diese Regelung gilt solange sie stillt – maximal aber ein Jahr nach der Geburt.

„Der Abzug der Stillpausen von der Arbeitszeit hat bisher viele Frauen dazu gebracht, dass sie ihr Baby mit Wiederaufnahme der Arbeit abgestillt haben, vor allem bei denjenigen, die sowieso schon einen sehr tiefen Lohn erhalten“, sagt Valérie Borioli Sandoz, Verantwortlich für die Gleichstellungspolitik bei Travail.Suisse

Für mehr Informationen:
Valérie Borioli Sandoz, Verantwortliche Gleichstellungspolitik, Mobile: 079 598 06 37

02. Juni 2014, Valérie Borioli Sandoz, Leiterin Gleichstellungspolitik Drucker-icon

Votum für eine fortschrittliche Familienpolitik

Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, ist erfreut, dass sich die Stimmbevölkerung heute gegen eine rückwärtsgewandte Familienpolitik ausgesprochen und die SVP-Familieninitiative abgelehnt hat. Damit ist der Weg frei, um die wirklichen familienpolitischen Herausforderungen anzugehen. Das Nein zur 1:12-Initiative zeichnete sich ab, es bedeutet indes nicht das Ende der Diskussion über die exorbitanten Managerlöhne. mehr

Die Stimmbevölkerung hat mit ihrem heutigen Nein zur Familieninitiative gezeigt, dass sie nicht will, dass gut verdienende Alleinernährer-Familien zulasten aller übrigen Eltern steuerlich entlastet werden. Und sie hat zum Ausdruck gebracht, dass eine Familienpolitik, welche sich an einem rückwärtsgewandten Familienmodell orientiert, den aktuellen und künftigen Herausforderungen nicht gerecht wird.

Eine fortschrittliche Familienpolitik muss dafür sorgen, dass all jene, welche Kinder wollen, diesen Kinderwunsch auch verwirklichen können. Wenn die Kinder da sind, muss gewährleistet werden, dass jede Familie so leben kann, wie sie es für richtig hält. Für die grosse Mehrheit der Mütter und Väter ist es normal, neben der Familie erwerbstätig zu sein. Dies weil sie es wollen oder weil sie finanziell auf zwei Einkommen angewiesen sind. Das ist volkswirtschaftlich und gleichstellungspolitisch sinnvoll. Angesichts der demografischen Herausforderungen und angesichts der immer zahlreicheren sehr gut ausgebildeten jungen Frauen, wäre es fatal, die Familien vor die Wahl – Kinder oder Erwerbstätigkeit – zu stellen.

Ein verlässliches und gutes Angebot an familienexterner Betreuung ist deshalb auch für die Wirtschaft von grosser Bedeutung. Hier müssen weitere Fortschritte erzielt werden. Eine zeitgemässe Familienpolitik für alle Familien muss auch dafür sorgen, dass genügend Geld und Zeit für die Familie übrig bleibt. Statt Steuergeschenke braucht es deshalb einen Ausbau des Systems der Familienzulagen. Die heutigen Zulagen mit einem Mindestansatz von 200 Franken pro Kind werden den direkten Kinderkosten – 1310 Franken pro Monat bei zwei Kindern – bei weitem nicht gerecht. Bezüglich Zeit hat die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs oberste Priorität. Wer dafür sorgen will, dass sich Väter vermehrt um die Kinder kümmern, muss sie von Beginn an in die Familienarbeit einbinden. Und diese beginnt bei der Geburt.

Überrissene Managerlöhne bleiben ein Thema

Die 1:12-Initiative hat heute vor dem Volk erwartungsgemäss keine Mehrheit gefunden. Die Diskussion im Vorfeld der Abstimmung hat allerdings gezeigt, dass der Missmut über die ungezügelte Selbstbedienungsmentalität der Manager-Klasse in weiten Teilen der Bevölkerung verankert ist. Nicht zuletzt wurde auch von Seiten der Gegner immer wieder betont, dass mit der Bekämpfung der Initiative keinesfalls die millionenschweren Saläre gutgeheissen werden, sondern dass eine fixe Lohnspanne von 1:12 nicht das geeignete Mittel zur Lösung dieses Problems sei.

Für Travail.Suisse ist somit klar, dass mit dieser Abstimmung das Thema Managerlöhne nicht vom Tisch ist. Wenn trotz der öffentlichen Diskussion und trotz Abzockerinitiative keine Mässigung der Top-Saläre erwirkt werden kann, so dürfte die Lancierung der nächsten Vorschläge für griffigere Massnahmen nur eine Frage der Zeit sein.

Für weitere Informationen:
Martin Flügel, Präsident, Tel. 079/743.90.05

24. November 2013, Martin Flügel, Präsident Drucker-icon