Themen – Arbeit – Managerlöhne

Die Travail.Suisse-Lohnschere 2009 geht an die UBS

Erneut rückt sich die UBS in ein schlechtes Licht: Die Lohnschere der Grossbank hat sich innerhalb des letzten Jahres um 274 Prozent geöffnet: so viel wie bei keinem anderen untersuchten Unternehmen . Die UBS macht offensichtlich dort weiter, wo sie vor der Krise aufgehört hat. Für Travail.Suisse, den unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, ist klar: In der Bonifrage ist Kaspar Villiger gescheitert. mehr

Seit zwei Jahren ist die UBS regelmässig Thema im Parlament. Die Grossbank selbst scheint dies wenig zu kümmern. Obwohl sie mit dem Amtshilfeabkommen bereits zum zweiten Mal auf eine politische Rettung angewiesen ist, foutiert sie sich um die politischen Sensibilitäten. In einem einzigen Jahr hat sich die Lohnschere bei der UBS fast verdreifacht. Ein Mitglied der Konzernleitung verdient bereits wieder durchschnittlich 190mal so viel wie ein UBS-Mitarbeiter zum Tiefstlohn. 2008 betrug das Verhältnis noch 1:51. Diese Entwicklung ist äusserst befremdend und zeigt, dass keinerlei Konsequenzen aus der Krise gezogen wurden.

Villiger bei Boni klar gescheitert
Die massive Öffnung der Lohnschere zeigt aber auch klar und deutlich, dass VR-Präsident Kaspar Villiger in der Boni-Frage gescheitert ist. Noch vor nicht allzu langer Zeit liess er gegenüber der Presse verlauten, dass das Vergütungsmodell langfristig ausgerichtet sei, sich an der Wertschaffung ausrichte und neben Bonus auch Malus vorsehen würde. Wenn nun trotz einem Verlust von 2,7 Milliarden Franken bereits wieder munter Boni verteilt werden, dann ist von Wertschaffung und Malus nicht viel zu sehen. Sollte es das Ziel von Kaspar Villiger gewesen sein, mit diesem neuen Vergütungssystem das politische Vertrauen in die UBS zu stärken, so hat er dieses Ziel klar verfehlt.

1 Untersucht wurden die folgenden 27 Schweizer Unternehmen: ABB, Ascom, Baloise, Bobst, Clariant, Coop, Credit Suisse, Georg Fischer, Helvetia, Implenia, Kuoni, Lindt & Sprüngli, Lonza, Migros, Nestlé, Novartis, Oerlikon, Post, Roche, Ruag, Schindler, Swatch, Swisscom, Swiss Life, UBS, Valora, Zurich.

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Lohnschere 2009.doc 31 KB

07. Juni 2010, Martin Flügel, Präsident und Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Managerlöhne 2009: Lerneffekt gleich Null

Die Krise wirkte sich auf die Managerlöhne höchstens kurzfristig dämpfend aus. Gemäss der Managerlohnstudie von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband von 170’000 Arbeitnehmenden, öffnet sich die Lohnschere weiter: Im letzten Jahr um durchschnittlich 18 Prozent, in den sieben Jahren seit 2002 um sage und schreibe 70 Prozent. Die stetig ansteigenden Managerlöhne gefährden das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz. Es braucht daher grundlegende Veränderungen. Die Stärkung der Aktionäre reicht nicht aus. Um das Lohnkartell aufzubrechen, braucht es eine Personalvertretung im Verwaltungsrat. mehr

Zum sechsten Mal in Folge hat Travail.Suisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Firmen untersucht. Die Resultate zeigen, dass sich die Krise höchstens kurzfristig dämpfend auswirkte. So schloss sich die Lohnschere im Jahr 2009 zwar in einigen Firmen, was aber auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführen ist. Dort, wo die Krise nicht stattgefunden hat – wie in der Pharmaindustrie – oder wo sie nicht mehr akut ist – wie bei den Banken – geht die Entwicklung weiter wie zuvor. Ein Lerneffekt hat nicht stattgefunden.

Fortschreitender Realitätsverlust gefährdet Erfolgsmodell Schweiz

Die anhaltende Öffnung der Lohnschere gefährdet das wirtschaftliche Erfolgsmodell Schweiz, das auf Vertrauen, Anstand und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft basiert. Wenn im Krisenjahr 2009 mit Gewinneinbrüchen und Stellenabbau das durchschnittliche Salär eines Konzernleitungsmitglieds um 20 Prozent ansteigt, dann hat diese Entwicklung keinen Zusammenhang mehr mit realwirtschaftlichen Begebenheiten und deutet auf einen
fortschreitenden Realitätsverlust hin.

Heuchlerische Reaktion der Politik

Ein grosser Teil der Politikerinnen und Politiker ist den Managern hörig und versucht mit zahnlosen Vorschlägen alles zu verhindern, was die Teppichetage verärgern könnte. Das geht so weit, dass im Parlament Augenmass und Vernunft gepredigt werden, um die Masslosigkeit und die Rücksichtslosigkeit der Manager zu schützen. Das ist heuchlerisch und unglaubwürdig.

Es braucht griffige Massnahmen

Travail.Suisse beobachtet die Entwicklung der Managerlöhne sowie die politische Reaktion auf diese Entwicklung seit vielen Jahren. Für Travail.Suisse ist klar, dass die Selbstregulierung versagt hat. Es braucht grundlegende Veränderungen. Dazu gehören die folgenden Massnahmen:

- Begrenzung der Boni und Verbot von Sonderzahlungen: Boni müssen auf ca. einen Monatslohn begrenzt und Abgangs- bzw. Antrittsentschädigungen verboten werden.

- Bonisteuer ab 1 Million Franken: Boni über eine Million Franken dürfen von den Unternehmen nicht mehr als Geschäftsaufwand vom Gewinn abgezogen werden und unterliegen somit der Gewinnbesteuerung.

- Abstimmung über Saläre der Konzernleitung: Die Aktionäre dürfen nicht nur über die Entschädigung des Verwaltungsrates, sondern auch über die Managersaläre bestimmen. Dabei muss volle Transparenz hergestellt werden. Es darf nicht nur eine Abstimmung über ein abstraktes Vergütungsreglement stattfinden.

- Personalvertretung im Verwaltungsrat: Die Stärkung der Aktionärsdemokratie alleine reicht nicht aus. Eine Personalvertretung im Verwaltungsrat stärkt die Ausrichtung auf die lange Frist und bindet die kurzfristige Gewinnmaximierung zurück. Zudem wird so das Lohnkartell aufgebrochen.

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PK 210610 Text M Flügel.doc 34 KB

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Zahlen PK Managerlöhne deutsch.pdf 2389 KB

21. Mai 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik Drucker-icon

Credit Suisse: Lohnschere von 1:1812

Brady Dougan – CEO der Credit Suisse – sprengt in Bezug auf Gehalt und Lohnschere den Rahmen des bisher Gekannten. An der morgigen Generalversammlung der Credit Suisse wird über den Vergütungsbericht abgestimmt. Travail.Suisse erwartet ein Nein. mehr

An Brady Dougan, CEO der Credit Suisse, wurden für 2009 91 Mio. Franken ausbezahlt – 99 Prozent davon in Form von Boni1. Dies entspricht einer Lohnschere von 1:1812. Oder anders gesagt: Ein Credit Suisse – Angestellter zum Tiefstlohn müsste 1812 Jahre arbeiten um auf das letztjährige Gehalt seines Chefs zu kommen. Mit dieser Lohnschere sprengt die Credit Suisse jeglichen Rahmen. Verhältnisse zwischen Höchst- und Tiefstlöhnen von 1:100, 1:400 oder gar 1:700 wurden in den letzten Jahren immer häufiger. Dougan ist aber der Erste, der mehr als 1000 Mal mehr verdient als seine Mitarbeiter2. Die Lohnschere zwischen Höchst- und Tiefstlohn hat sich bei der Credit Suisse damit um 318 Prozent geöffnet.

Und nicht nur Dougan – auch die anderen Mitglieder der Teppichetage von Credit Suisse verdienten 2009 massiv mehr als noch 2008. Während ein Konzernleitungsmitglied 2008 durchschnittlich 9 Mio. Franken erhielt, waren es 2009 fast 30 Mio. Franken. Eine Öffnung der Lohnschere um 203 Prozent. Die Verwaltungsräte verdienten ebenfalls massiv mehr: So öffnete sich die Lohnschere zwischen dem Lohn des Verwaltungsratspräsidenten und dem Tiefstlohn um 203 Prozent und beträgt neu 1:130.

An der morgigen Generalversammlung stimmen die Aktionäre über den Vergütungsbericht der Credit Suisse ab. Angesichts dieser massiven Exzesse erwartet Travail.Suisse ein Nein. Die Gefahren unverhältnismässiger Managerlöhne – die zu einem Grossteil aus variablen Anteilen bestehen – wurden uns in den letzten Monaten und Jahren mehrfach vor Augen geführt. Es müssen endlich Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden.

1 Dieses Gehalt setzt sich wie folgt zusammen: 71’389’539 Franken in Form von Aktien aus dem PIP I – Programm (Zweck: Mitarbeiterbindung), bewertet zum Schlusskurs am Ausgabetag (20. April 2010), 17’870’000 Franken als leistungsabhängige Vergütung, 1’250’000 Franken als Fixlohn, 50’000 Franken als Dividendenäquivalente, 30’000 Franken in Form sonstiger Vergütungen.
1 Dies bezieht sich auf die, von Travail.Suisse untersuchten Firmen und Jahre. Travail.Suisse untersucht seit 2002 die Vergütungspolitik von 28 Schweizer Unternehmen.

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Lohnschere Credit Suisse.doc 77 KB

29. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne Drucker-icon

Swisscom: Managerlöhne reagieren auf Geschäftsgang

Die Managerlöhne der Swisscom reagieren auf den Geschäftsgang. Dies zeigen auch die Zahlen vom letzten Jahr. Über die lange Frist gesehen zeigt sich aber das übliche Bild: Die Entschädigungen der Teppichetagen steigen klar an. mehr

2009 war für die Swisscom ein durchzogenes Jahr: Zwar konnte der Reingewinn um 10 Prozent gesteigert werden. Der stärkere Preisdruck hatte aber einen Umsatzrückgang zur Folge. Die Managerlöhne indessen blieben im letzten Jahr fast durchwegs konstant. Der Lohnaufwand von CEO Carsten Schloter betrug 2009 wie 2008 1.8 Mio. Franken. Dies entspricht einem Verhältnis von 1 zu 40 zum Mindestlohn. Die Entschädigungen pro Verwaltungsratsmitglied blieben ebenfalls konstant. Sie betragen nach wie vor 234’000 Franken, was einer Lohnschere von 1 zu 5 entspricht. Einzig der Lohnaufwand pro Konzernleitungsmitglied stieg um 2 Prozent an, womit sich die Lohnschere von 1 zu 22 auf 1 zu 23 öffnete.

Lange Frist: Managerlöhne steigen
Die Managerlöhne der Swisscom erweisen sich damit als konjunktursensibel. Dies bestätigt die langfristige Untersuchung der Lohnscheren durch Travail.Suisse. Als Umsatz und Gewinn in den Jahren 2005 und 2006 zurückgingen, schloss sich die Lohnschere. 2007 und 2008 liefen die Geschäfte wieder besser, was die Managerlöhne erneut ansteigen liess. Dass die Entschädigungen auf den Geschäftsgang reagieren, ist positiv. Betrachtet man die Managerlöhne aber über die lange Frist, zeigt sich auch bei der Swisscom das gewohnte Bild: Langfristig geht der Trend nach oben. Seit 2002 hat sich der Lohn des CEO um 30 Prozent erhöht. Ein Konzernleitungsmitglied verdient mittlerweile 43 Prozent mehr, ein Verwaltungsrat 24 Prozent. Wenigstens hat sich auch beim Mindestlohn etwas getan: 2005 wurde er um 15 Prozent erhöht.

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Entschädigungen Swisscom1.doc 79 KB

27. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne Drucker-icon

ABB: Die Lohnschere schliesst sich

Der letztjährige Gewinner der „Travail.Suisse-Lohnschere“ hat den Kurs geändert: Nachdem sich die Lohnschere bei der ABB 2008 massiv geöffnet hatte, schliesst sie sich in diesem Jahr um fast 70 Prozent. Ein Teil des Rückgangs lässt sich durch die wegfallende Antrittsentschädigung von CEO Joe Hogan erklären. mehr

Noch vor einem Jahr hat sich die Lohnschere bei der ABB um 70 Prozent geöffnet. Dies brachte dem Elektronikkonzern die zweifelhafte Ehre als Gewinner der „Travail.Suisse-Lohnschere“ ein. 2009 hat sich das Blatt gewendet: Die Lohnschere bei der ABB schliesst sich deutlich.

Lohnschere schliesst sich um 69 Prozent
So hat sich die Lohnschere zwischen dem ABB-CEO Joe Hogan und seinen Angestellten zum Tiefstlohn um 69 Prozent geschlossen. 2008 betrug das Verhältnis 1:427, 2009 noch 1:133. Das ist zwar immer noch zu viel, der Rückgang ist aber bemerkenswert. Und nicht nur Hogans Lohn ist gesunken, sondern auch die Entschädigungen der anderen Konzernleitungsmitglieder. Während ein Konzernleitungsmitglied 2008 noch durchschnittlich 7 Mio. Franken verdiente, waren es 2009 noch 3 Mio. Ein Rückgang um 53 Prozent! Die Entschädigungen der Verwaltungsräte sind indessen konstant geblieben.

Langfristige Entwicklung?
Ein Teil dieser rückläufigen Entwicklung bei den Managerlöhnen kann mit dem Antrittsbonus von Joe Hogan erklärt werden. Dieser wurde 2008 ausbezahlt und betrug über 10 Mio. Franken. Allerdings sank Hogans Gehalt darüber hinaus um weitere 4 Mio. Franken. Auffällig ist ausserdem, dass sich der Anteil der variablen Vergütungen an den Gesamtentschädigungen der Konzernleitung verringert hat: Von durchschnittlich 63 Prozent im Jahr 2008 auf 52 Prozent im letzten Jahr. Bleibt abzuwarten, ob sich diese Entwicklung als langfristig erweist.

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Lohnschere ABB.doc 71 KB

26. April 2010, Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik und Yvonne Debrunner, Managerlöhne Drucker-icon